Vorbei
So. Ich bin wieder zurück in good ole Tschörmanie. Ich bin gut angekommen, habe inzwischen auch die obligatorische Heimkehrer-Erkältung so gut wie überstanden, habe mein Praktikum bei TBWA schon angefangen und inzwischen auch meine Freundin wieder bei mir. Also könnte demnächst wieder ein ganz normaler, spannender Berliner Alltag einsetzen.Kanada war super. Toronto hat mir sehr, sehr gut gefallen - nicht unbedingt schön, aber extrem cool. Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, wieder dorthin zurück zu gehen. For good, sozusagen. Aber das ist ja im Moment alles nur graue Theorie und das werde ich ab sofort wieder persönlich und/oder am Telefon erörtern.Und damit hat sich dieser Blog auch erledigt. Danke fürs Lesen...
Eishockey und Eichhörnchen
Was gibt’s hier Neues? Ich hatte Besuch. Meinen einzigen aus Europa. Mein Vater war übers Wochenende hier. Sehr, sehr schön.
Ein bisschen die Stadt gezeigt und geschwätzt und und und. Das Highlight war natürlich Eishockey gucken. So richtig im Stadion und so. Die Maple Leafs haben gegen die Buffalo Sabres leider verloren, aber ansonsten hab ich mich riesig gefreut. So richtig echt NHL-Eishockey live gucken. Auf jeden Fall ein echtes Kanada-Erlebnis.
Am Wochenende davor waren Madalena und ich an den Beaches. Richtiges Strandwetter war zwar nicht, aber das werden wir hier ja wahrscheinlich auch nicht mehr erleben. Und es war auch mit Winterwetter viel faszinierender. Ich kam mir vor wie in der Antarktis. Durch die Schnee- und Eismassen wusste man nicht, wo der Strand aufhörte und der See anfing. Und an der Kante brachen immer Eisstücke ab und trieben dann als Mini-Eisberge in Richtung Amerika über den See. Sehr spannend und ein großartiger Spielplatz für mich.

Ich war allerdings nicht ganz so hart wie der Kanadier, der bei minus zehn Grad auf seinem Surfboard vorbeigepaddelt kam.
Über Eichhörnchen wollte ich die ganze Zeit schon mal schreiben, hab’s aber immer vergessen. Die sind hier nämlich auch anders, wie so vieles. Zunächst mal gibt es in Toronto Millionen davon. Im Zweifel ähnlich viele, wie in Berlin Tauben. Aber sie sind hier nicht so rötlich-braun wie wir es kennen, sondern grau oder schwarz.
Das sind zwei verschiedene Arten. Manch einer sagt, in Toronto tobt ein Krieg zwischen grauen und schwarzen Eichhörnchen. Wenn die Wettbüros auch dafür Wetten annehmen würden, würde ich mein Geld auf die Grauen setzen. Die sind einfach wesentlich mutiger und frecher.
Andererseits sehen die schwarzen mit ihren listigen Augen schon ‘ne Ecke diabolischer und verschlagener aus.
Zum Glück sind auch die verschiedenfarbigen kanadischen Multikulti-Eichhörnchen so klein und pelzig, dass sie letzenendes sehr niedlich sind. Und auf jeden Fall besser als Tauben.
Sensation
Etwas unglaubliches ist passiert. Es war über Null Grad. Am Mittwoch. Fast den ganzen Tag. Ich habe ein wenig bereut, meine kurzen Hosen im November in Berlin gelassen zu haben. Aber +4°C waren auch so gerade noch auszuhalten.
Und am Donnerstag kam dann gleich die nächste Wetter-Anomalie. Ein Schneegewitter. Das hab ich noch nicht oft erlebt und ich habe mir auch von Kanadiern bestätigen lassen, dass das eher ungewöhnlich ist. Es hat große schwere Flocken geschneit und dabei wie verrückt geblitzt und gedonnert. Das unangenehme daran war, dass das Gewitter leider zu einem Stromausfall geführt hat, während ich morgens unter der Dusche stand. Sehr doof in einem Bad ohne Fenster. Aber abtrocknen ging auch im Dunkeln.
Letzten Sonntag war ich Snowboarden.
In (oder am?) Blue Mountain. Extrem kalt (ja, damals war’s noch kalt), aber großer, großer Spaß. Perfekter Schnee, wunderbar, super, toll. Was soll ich hier groß schreiben; die Wintersportler unter euch werden meine Freude nachvollziehen können, die anderen nicht. Und das unabhängig davon, was ich schreibe. Ach ja, was erwähnenswert ist: Fast das gesamte Skigebiet (das natürlich nicht annähernd mit irgendeinem Alpenskigebiet zu vergleichen ist – aber dafür ist es so nah, dass man morgens hin und abends zurück kann) ist abends beleuchtet. Und zwar so richtig, dass man tasächlich bis spät abends noch sehr gut fahren und viel Spaß haben kann. Sehr gut. Ein Plus dafür, liebe Kanadesen.
Passend zu meinen Snowboardplänen hatte es letzte Woche extrem viel geschneit. 40 cm in einer Nacht. Toronto ist regelrecht versunken. Das musste natürlich am folgenden Abend gleich zum Schnee-Engel machen und Hügel runterrollen genutzt werden.

Kindischer Spaß ist echt oft der allerbeste.
Generation Praktikum - die Zweite
Um meine Zugehörigkeit zum Prekariat weiter zu unterstreichen, habe ich schon nach vier Wochen den Arbeitgeber gewechselt. Ich mache jetzt bis Ende März (seit zwei Wochen) Praktikum bei Lowe Roche im Strategic Planning. M:30 hatte einfach nicht genug Spannendes für mich zu tun (wir haben uns auch in Frieden getrennt) und da war meine Freude natürlich groß, als das Angebot von Lowe Roche kam. Das ist jetzt eine “richtige” Werbeagentur mit ausgesprochen netten Menschen, sehr angenehmer Atmosphäre und extrem viel Kreativität. In Kanada gehört der Laden zu den absoluten Topadressen – letztes Jahr unter die drei besten Agenturen des Landes gewählt, Kunden wie Audi, Stella Artois, Toronto Star - und der Gründer, Geoffrey Roche, ist auch noch dabei. Ein sehr beeindruckender Mann. Er verströmt so eine Aura, dass man Angst hat, ihn zu enttäuschen. Ich kann’s auch nicht so recht beschreiben.
Jedenfalls fühle ich mich sehr wohl da und habe Spaß an meiner Arbeit.
Niagara Falls 2
Ich war letztes Wochenende mit Madalena bei den Niagarafällen. Ihr erinnert euch, ich war da im Herbst schon mal, aber Madalena ja noch nicht und vor allem sieht das im Winter ja alles ganz anders aus. Vor allem letzteres ist unheimlich wahr. Zum einen war der Fluss unterhalb der Fälle größtenteils zugefroren, was schonmal ein Anblick ist, den ich von zu hause nicht unbedingt gewohnt bin. Zum anderen entsteht durch die Wucht der fallenden Wassermassen eine Dunstwolke, die dafür sorgt, dass alles rundherum einfriert. Und wenn ich sage “einfriert”, dann meine ich nicht nur ein paar Eiszapfen und so, sondern eine unheimlich dicke Eisschicht an Bäumen, Büschen, Geländern, Laternen und einfach allem.
Ich würde sagen, vom Naturspektakel her sind die Niagarafälle im Winter beeindruckender. Der Vorher-Nachher-Vergleich mit meinem Niagara Falls Eintrag vom Herbst lohnt sich übrigens. Ich habe versucht, die gleichen Perspektiven wieder zu fotografieren.

Es sieht echt unheimlich aus dort. Noch schöner als im Herbst. Allerdings ist es halt etwas unangenehmer, bei –15°C neben einem Wasserfall zu stehen. Und von der sprühenden Gischt nassgespritzt zu werden, die der eisige Wind herüberpeitscht, ist auch nicht unbedingt kuschelig. Aber es ist absolut toll und lohnt sich auf jeden Fall.
Wo ich gerade schon von Temperaturen spreche: Ja, es ist saukalt hier. Ich habe gehört, dass sogar die Tagesschau über den heftigen Wintereinbruch hier berichtet hat. Es ist ausgesprochen aufmunternd, wenn man morgens sein Müsli löffelt und die fröhliche Wetterbericht-Frau verkündet, dass die aktuelle Temperatur sich inklusive Windchill wie –35°C (!) anfühlt. Wirklich. So passiert. Man möchte sie windelweich prügeln, weil man sich ein übertrieben geschminktes, grinsendes Gesicht umrahmt von blondierter Dauerwelle vorstellt, dem vollkommen gleichgültig ist, dass man in zehn Minuten die ohnehin nicht wirklich warme Küche (Fensterisolierungen sind hier echt ein Problem) verlassen und zur Arbeit LAUFEN muss. Aber sie kann ja nichts dafür. Also muss man sich einfach dick einpacken, zur Arbeit hasten und dort dann vor der Heizung vergessen, wie grausam die Welt da draußen ist – um dann abends auf dem Heimweg wieder völlig geschockt zu sein.Wie fühlen sich –35°C an? Saukalt. So, dass man Finger trotz Handschuhen nach circa zwei Minuten nicht mehr fühlt. So, dass die Oberschenkel unter der Jeans nach ein paar Minuten ernsthaft anfangen weh zu tun. Und so, dass man es unter allen Umständen zu verhindert versucht, dass irgendwo Haut unbedeckt bleibt. Aber auch das übersteht man. Immerhin: Das ist mal ein ordentlicher Winter!
Generation Praktikum
Ich gebe mir alle erdenkliche Mühe, meiner Generation Ehre zu machen. Mein Praktikum bei M:30 nimmt mehr und mehr Form an. Die sind so eine kleine Klitsche, dass sie normalerweise keine Praktikanten haben. Sie wussten deshalb zunächst nicht viel mit mir anzufangen. Aber ich lerne den Laden immer besser kennen und habe daher inzwischen mehr und mehr Gelegenheit, ihnen zu zeigen, was ich kann.
Und was passiert danach? Noch ein Praktikum!
Ich fange Anfang April im Strategic Planning bei TBWA in Berlin an. Große Freude! Manch einer wird mitbekommen haben, dass das die Agentur ist, bei der ich am allerliebsten ein Praktikum machen wollte, weil ich glaube, dass TBWA Planning auf eine sehr coole Art macht. Jetzt werde ich also rausfinden können, ob die Realität so ist wie meine Vorstellung. Ich freu mich sehr drauf!
Was ist sonst so los? Vor allem Winter. Seit Wochen waren es hier nicht mehr über 0 Grad. Die Regel sind eher so –10. Dreimal gab’s auch schon eine “Extreme Cold Weather Warning”. Die wird rausgegeben, wenn es (mit “Windchill”) unter –20° Celsius ist. Und das ist dann tasächlich extrem kalt.

Gut, dass ich weniger als zehn Minuten zur Arbeit brauche. Ach ja, die Adresse von M:30 hat nicht nur den Vorteil, dass ich in kürzester Zeit hinlaufen kann. Sie ist auch sehr cool in Kombination mit der Adresse meiner Wohnung: Ich wohne in der 646 Queen Street West und arbeite in der 645 King Street West. Genial, sage ich.
Ihr seht, alles ist gut.
So viel ist passiert - Teil 3
Auf dem Heimweg von Montreal sind wir über Ottawa gefahren. Im Vorfeld waren wir wiederholt gewarnt worden, da gäbe es nichts zu sehen und es sei Zeitverschwendung. Naja. Tatsächlich ist Ottawa nicht wirklich spektakulär. Es ist eine recht kleine, sympatische Stadt. Wir haben uns aber ganz wohl gefühlt, die paar Stunden die wir dort waren.
Die eine Sehenswürdigkeit, die es da gibt, ist das kanadische Parlament. Und das ist wirklich sehenswert. Wie so vieles hier, ist es schön darauf getrimmt, älter auszusehen, als es ist. Und das auch von innen. Ich muss gestehen, ich war im Reichstag/Bundestag bisher noch nie innen drin, sondern immer nur oben in der Glaskuppel, aber ich glaube, das kanadische Parlament schlägt das deutsche in Sachen Style um Längen. Es sieht halt so richtig aus wie Demokratie vor ein paar hundert Jahren.
Beeindruckend ist auch die Bibliothek. Rund ist die. Wirklich. Sieht witzig aus und ist halt einfach ein cooler Style.
Ob es wirklich nötig ist, das Parlament im Dunkeln bunt anzustrahlen, ist natürlich Geschmackssache. Aber es gibt Leute, die mögen es. Ich bin mir nicht so sicher, wie ich es finde, aber es liegt auf der Skala von wunderschön bis ekelhaft wohl irgendwo dazwischen.
Als wir wieder in Toronto zurück waren, war es auch fast schon Zeit, den Jahrewechsel zu feiern. Das taten wir bei Freunden von Joel. Motto der Party war “guilty pleasures”. Das Ganze sollte die Antithese zu den üblichen guten Vorsätzen sein. Prinzipiell keine schlechte Idee. In der Praxis musste man allerdings feststellen, dass es ein etwas flaches Motto für eine Party ist. Alkohol, Zigaretten, Chips und ungesunde Süßigkeiten sind bei einer Silvesterparty nicht so ungewöhnlich. Und auch die Tatsache, dass die heimlichen, peinlichen Lieblingslieder gespielt wurden, die man vorher anonym nominieren konnte, war wenig aufregend. Es finden sich ja auch sonst immer irgendwelche Leuchten, die sich an die Anlage schleichen und schlechte Musik auflegen. Aber wer braucht schon ein Motto bei einer Silvesterparty? Es war einfach so eine sehr coole Party.

Dirk Bach war übrigens auch da!
Der Jahreswechsel bringt auch für meine WG und meinen Freundeskreis viele Veränderungen.
Nachdem Markus ja schon vor Weihnachten nach Deutschland zurückgekehrt ist,
musste ich mich letzte Woche auch von meinem lieben Mitbewohner und begnadeten auf-dem-Stuhl-Tänzer Lee “Team England” Titterton,

unserem Lieblings-Schwulen Ryan
und Ko-Austauschstudentin Jane verabschieden.
Das neue Team 646 (das ist unsere WG) umfasst jetzt neben Michelle - die schon im November die wenig beliebte Cathrine ersetzt hat - mit Jesse einen weiteren Australier, der äußerlich frappierende Parallelen zu einem früheren Mitbewohner von mir aufweist. Die Haarfarbe ist zwar falsch, aber die beängstigende Körpergröße bei bärenhafter Statur lässt in Kombination mit den Dreadlocks auf jeden Fall Erinnerungen an Marlon wach werden. Da das schöne Erinnerungen sind, ist das ja eine gute Sache. Bereits alte Bekannte sind Eleonore und Joel. Außerdem wohnt jetzt natürlich Madalena bei uns/mir.
Um der Frage vorzubeugen: Ja, bisher klappt das super zu zweit in meinem Mini-Zimmer und ich mache mir auch für die nächsten drei Monate keine Sorgen.
Ich selbst habe den Anfang des Jahres erst mit Rückenschmerzen und dann mit Erkältung erlebt. Die erste Woche des Jahres 2007 war also komplett für die Tonne. Naja, zumindest die ersten fünf Tage. Inzwischen habe ich mich aber erholt, bin wieder fit und freue mich darauf, dass mein Praktikum bei M:30 Communications (http://m30.ca) endlich anfängt.